Karottenkuchen und NewWork

Was hat ein Karottenkuchen mit NewWork zu tun?

Hallo Herr Kaiser,

… die wundervolle neue Arbeitswelt befindet sich in „New Work“. Ist es nur ein Trend Ein Kargo Kult oder etwas, auf das ich mich und mein Unternehmen einstellen sollte?

Zunächst einmal ist wohl wichtig, zu verstehen, dass es sich bei New Work nicht etwa um das Anheuern eines Innenarchitekten handelt. Wenn Sie sich die neuesten Entwicklungen in unserer Wirtschaft anschauen, werden Sie schnell feststellen, dass viele Unternehmen modernisieren wollen und das auch tatkräftig angehen. Es gibt sogar ganze Messen, die sich mit dem Thema „Moderne Büros“ auseinandersetzen.
Auch Preise werden mittlerweile für die kreativsten „aktive-offices“ – Arbeitsplatz als Bewegungsraum – verliehen. Angefangen bei der Hängematte über den Billardtisch, bis hin zur High-Tech Büroausstattung, gibt es alles, was ein Mitarbeiter in einem „Modernen Büro“ begehren könnte. Dabei sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Wäre das nicht schön, endlich so zu arbeiten? Unter dem Begriff „New Work“ gestalten viele Unternehmen also Ihre Büros um. Wenn ich mitbekomme, was unter dem Begriff alles angeschoben und umgesetzt wird, könnte einem doch eigentlich ganz warm ums Herz werden, oder? Lassen Sie mich anhand eines Beispiels kurz erklären, was genau passieren könnte, wenn Sie New Work, auf das eben beschriebene, beschränken:
Nehmen wir an, ihrE PartnerIn backt Ihnen zu liebe in regelmäßigen Abständen einen Kuchen. Dabei legt sie/er sich jedes Mal richtig ins Zeug. Nicht irgendeinen Kuchen. Einen Karottenkuchen. Dafür steht ihrE PartnerIn dann jedes Mal lange Zeit in der Küche und schält die Karotten. Eine nach der anderen. Sehr sorgfältig natürlich. Danach werden die geschälten Karotten in kleine Stücke geschnitten und anschließend gehobelt. Sehr sorgfältig natürlich. Den Rest kennen Sie ja. In den Teig mischen, nur in eine Richtung rühren, „wachse und gedeihe“ flüstern und ab in die Röhre. Das braucht schon alles seine Zeit. Nun ist an einem selbstgebackenen Kuchen ja nichts auszusetzen. Wenn es da nicht einen Haken gäbe.

Sie können Karotten nicht ausstehen!

Nein, noch nie! Nur leider haben Sie im Status des Verliebtseins versäumt, es Ihrem PartnerIn zu sagen. Noch tanzend auf der rosa Wolke, als noch alles akzeptiert und toleriert wurde und kleine Macken am Anderen nur kleine unbedeutende, charmante Punkte waren. Ja da haben Sie ihm/ihr zu liebe auch den Karottenkuchen gegessen. Kurz, Sie haben den Absprung verpasst! Heute aber werden Sie es ihrem PartnerIn sagen. Sie legen sich also einen liebevollen Satz zurecht. „Ich finde es toll, wie du das hier alles machst, meinst du,wir könnten da trotzdem mal etwas verändern? Also, da an dem Kuchen?!“ Es kommt besser an als Sie gedacht haben und Sie gehen erleichtert aus der Situation. Bereits am Wochenende drauf, steht er/sie erneut in der Küche und ist am Wirbeln. Dann wird es Ihnen präsentiert….nicht irgendein trocken aussehender Karottenkuchen, nein, DER Kuchen! Eine saftige Marzipandecke umgießt den fertig gebackenen, nach Zimt duftenden, Thron des Glückes! Auf dem Fond steht in Zuckerschrift Ihr Name, schwungvoll verziert und mit Deko-Blumen umrandet. Sie erwarten eine Geschmacksknospen anregende Genussinsel. Doch was Sie begrüßt ist derselbe fade Geschmack wie am Wochenende zuvor. Sie kauen noch auf ein paar hart gebliebene Karottenflocken und heben den Daumen, als ihrE PartnerIn Sie erwartungsvoll ansieht. „Prima Schatz“, entgegnen Sie kauend und spülen mit einem Rest kalten Kaffee den Kuchen hinunter.

Was ist passiert?

Die Absicht ist klar zu erkennen. Es sollte Ihnen etwas schmackhaft gemacht werden. Nur leider fehlte die Veränderung im Grundrezept. An dem Beispiel wird deutlich, dass der äußere Anschein allein nicht über den Inhalt entscheidet.Vielleicht wird Ihnen jetzt klar, dass NEW WORK kein einfaches Rezept ist. Nichts, das man einführt und alles wird besser. New Work ist vielmehr ein Prozess, der tiefgreifende Veränderungen in der Wirtschaftswelt nach sich zieht. Denn auch Arbeitsabläufe sind davon betroffen und Unternehmen können den Prozess nutzen, um sich wieder stärker auf sich und ihren Zweck zu konzentrieren. Nämlich auf die Essenz Ihres Unternehmens. Denn wenn in einem Unternehmen keiner mehr weiß „Wofür“ Ihr Unternehmen steht, dann weiß sicher auch keiner, wo es hingehen soll. Kurz: Eine Struktur zu schaffen, welche dazu in der Lage ist, Kundenbedürfnisse zu befriedigen und dabei mehr einnimmt als sie ausgibt.

Ihr Unternehmen dient also keinem Selbstzweck. Sie können nur überleben, wenn sie Kundenbedürfnisse erfüllen und befriedigen. Verändern Sie Ihre Betrachtungsweise. Stellen sich ein paar Fragen und denken tiefer über New Work nach, so erschließt sich Ihnen bald eine andere Sicht auf die Dinge. Ändert sich die eigentliche Arbeit, durch ein schöner gestaltetes Ambiente? Oder bleibt die eigentliche Arbeit, trotz all der fantastischen Veränderungen, ebenso dysfunktional wie zuvor? Weshalb sonst bleiben Menschen substanziell unzufrieden, selbst wenn ihnen Freigetränke und Obstkörbe angeboten werden? Es ist, wie im Beispiel mit den verschiedenen Lasuren auf dem Karottenkuchen. Der Inhalt bleibt derselbe.
Immer noch gibt es Führungskräfte, die eigentlich Ansagekräfte sind. Ebenso wie es augenscheinlich Mitarbeiter gibt, die mit 40 Stunden und mehr Anwesenheit im Büro glänzen. Aber die ihre Gehirntätigkeit, beim Nutzen der funkelnagelneuen Arbeitszeiterfassung, auf ein Minimum an Arbeitsleistung reduzieren. Gewollt oder ungewollt. Überlegen Sie mal, was denken Sie, wenn Ihre Angestellten nach Beginn ihrer Anwesenheit am Arbeitsplatz „Dienst nach Vorschrift“ machen.

Was ist schlecht daran?

Warum dieser bittere Beigeschmack? Auch wenn sich ein Mitarbeiter konform verhält, fühlt sich richtig, irgendwie falsch und nicht ausreichend an.Vielleicht wird Ihnen langsam bewusst, dass es sehr viel wichtiger sein könnte, dass jedem Angestellten klar wird, warum Sie als Arbeitgeber tun was Sie tun. In diesem Zusammenhang ist es möglicherweise passender, ein Wort zu benutzen, welches Prof. Dr. Hüther verwendet, um es entsprechend zu formulieren. Welches ANLIEGEN verfolgen Sie als Arbeitgeber? Und wie transportieren Sie dieses entsprechend? Das ist notwendig, damit „ICH“ mich als Individuum entscheiden kann, ob ich ein Teil diese ANLIEGENS sein möchte? Jeder möchte sich mit dem was er/sie tut, identifizieren.

Die Menschen, die in einem Unternehmen mit einem klar formulierten Anliegen tätig sind, laufen dann nicht mehr nur Anweisungen hinterher, sondern werden ein Teil des Ganzen. Jede Art von Arbeit wird dann zu einer gemeinsamen Entwicklung. Wäre das eine schöne New Work/ Neue Arbeitswelt, wenn ein Unternehmen mit allen dort tätigen Menschen, einem gemeinsamen Anliegen folgen würden? Ein neues Grundrezept backen? Ich wäre jedenfalls der Erste, der morgens mit 100% Leistung an dem alten Schreibtisch sitzt, der voll ist mit Kerben und Kaffeeflecken und beginnt zu arbeiten. Ich könnte es kaum erwarten herauszufinden, was für neue Dinge sich in unserer gemeinsamen Arbeitswelt ereignen werden. Lust statt Frust, weil der Zweck klar ist – das verstehe ich unter New Work.